Gedanken zum Hiroshimatag am 6.8.2006

Wir sind hier zusammengekommen, um der Opfer der AtombombenabwĂŒrfe auf die StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki zu gedenken. Dieses Gedenken ist dringender denn je, denn die atomare AufrĂŒstung geht weiter, sowohl bei den offiziellen AtommĂ€chten als auch bei den LĂ€ndern, deren Regierungen sich nur durch den Besitz von Atomwaffen einen Schutz vor den HegemonialansprĂŒchen der Großen versprechen. Die aktuellen schrecklichen Ereignisse erzwingen es aber, dass wir auch ĂŒber den Krieg im Nahen Osten sprechen. 

TĂ€glich sterben viele Menschen, vor allem Zivilisten im Libanon und in Israel, aber auch die Soldaten beider Seiten sollten wir nicht vergessen. Die Folgen des israelischen Einmarschs in den Libanon und der Bombardierungen der libanesischen StĂ€dte und der libanesischen Infrastruktur sind enorm. Neben den direkten Toten und Verwundeten, den materiellen SchĂ€den und dem Elend von Hunderttausenden FlĂŒchtlingen bringt dieser Krieg auch eine langfristige Zerstörung der Friedensaussichten im Nahen Osten. Es wird wieder soviel Hass aufgebaut, dass das friedlichen Zusammenleben der Völker PalĂ€stinas auf lange Zeit unmöglich gemacht wird. Es ist zu befĂŒrchten, dass die Hisbollah durch diesen Krieg nicht zerschlagen wird, sondern im Gegenteil gestĂ€rkt daraus hervorgeht. Die ĂŒberlebenden Opfer des jetzigen Kriegsterrors sind die potentiellen SelbsmordattentĂ€ter von morgen. Mit dieser Politik schadet die israelische Regierung den Interessen ihrer eigenen Bevölkerung. 

Auf diesen Zusammenhang weist die israelische Friedensbewegung seit vielen Jahren hin. Zusammen mit der palstinensischen Friedensbewegung haben viele Menschen in Israel begriffen, dass es einen dauerhaften Frieden nur auf der Basis von Gerechtigkeit gibt, nicht auf der Basis von militĂ€rischer Gewalt, die nur Opfer und Besiegte schafft. Das Existenzrecht Israels lĂ€sst sich nur sichern, wenn auch die existenziellen BedĂŒrfnisse der palĂ€stinensischen Bevölkerung, nĂ€mlich auf ein Leben ohne Armut und DemĂŒtigung, gesichert sind. 

Die Alternative, fĂŒr die auch wir uns einsetzen, heißt, einen Interessensausgleich zu schaffen fĂŒr alle Bewohner PalĂ€stinas, fĂŒr Israelis genauso wie fĂŒr Araber. Nur durch die Sicherung der Lebensgrundlagen fĂŒr alle und durch die Kommunikation zwischen allen Bevölkerungsgruppen lĂ€sst sich ein Klima der Sicherheit schaffen, das einen langfristigen Frieden ermöglicht. 

Dass dies möglich ist, zeigt die Aktion "Ferien von Krieg", die ja bekanntlich von Rödelheim aus organisiert wird. Seit Jahren verbringen Gruppen von Israelis und PalĂ€stinensern gemeinsam zwei Wochen in Deutschland, und lernen dabei, dass ihre angeblichen Feinde auch nur Menschen sind, die in Frieden und mit WĂŒrde leben möchten. Solche AnsĂ€tze sind zu verstĂ€rken. Wir brauchen keine zusĂ€tzlichen Soldaten und keine zusĂ€tzlichen Waffen im Nahen Osten, sondern wir brauchen viele zivile Friedenshelfer, die Dialoge organisieren können und die den Menschen helfen, eine wirtschaftliche Pespektive aufzubauen. 

Wir fordern die Bundesregierung auf, der Katastrophe im Nahen Osten nicht weiter untĂ€tig zuzusehen, sondern sich fĂŒr einen sofortigen Waffenstillstand einzusetzen. Je lĂ€nger das Morden anhĂ€lt, desto schwieriger wird es, eine zivile Lösung zu finden. 

Peter GĂ€rtner

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